Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 24.11.2017

Wissen, dass nicht jedes kleine Krankenhaus erhalten werden kann

 Gesundheit I Frank Reuther, Vorsitzender des Marburger Bunds Baden-Württemberg, fordert sinnvollere Standortplanung des Landes

Von Alexander Kauffmann

Oberndorf. Die Diskussion um die Klinik– und Krankenhausstandorte brandet in den Gemeinden im Südwesten immer wieder auf: Wenn Kommunalpolitiker sich den Erhalt eines Standorts als ihren Erfolg ans Revers heften, eine Einrichtung geschlossen wird, die Bürger sich bei den Verantwortlichen über längere Anfahrtswege im Notfall beschweren.

Wie die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft aber auflistet, gibt es aktuell 266 Krankenhäuser im Land. Vor zehn Jahren waren es noch 296. Dieser Trend setzt sich fort: Im Landkreis Lörrach schließen sich drei Kliniken und ein kirchliches Haus zu einer Klinikgesellschaft zusammen. Die beiden Kliniken in Albstadt und Balingen sollen zu einer Zentralklinik im Zollernalbkreis fusionieren. »Wir wissen, dass leider nicht jedes kleine Krankenhaus erhalten werden kann«, sagt Frank Reuther, seit sechs Jahren Vorsitzender der Ärztevertretung Marburger Bund Baden-Württemberg, im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung.

In der Frage nach der Zukunftsfähigkeit einzelner Standorte kritisiert er: »Die Landesregierung müsste in einem moderierenden Prozess eine sinnvollere Krankenhausstrukturplanung auf die Beine stellen.« Gleichzeitig sollten »die Potenziale in den kleineren Einrichtungen ausgeschöpft werden«, zumal einfachere Eingriffe, er nennt die Entfernung von Gallensteinen als Beispiel »nicht in großen Krankenhäusern operiert werden müssen«. Und wenn schon nicht jede Einrichtung gehalten werden kann, sollte wenigstens die Verkehrsanbindung stimmen.

Auch Geld ist für ihn ein Aufregerthema: Das Land solle »hinsichtlich der Investitionsfinanzierung « zahlen, wozu es sich verpflichtet habe, sagt er trocken, und führt aus: »Die Krankenhäuser und Kliniken brauchen auskömmliche Mittel. Im Moment verstößt das Land hier gegen Verpflichtungen. Man kann sich nur wünschen, dass mehr Geld reinkommt.

« In den Notaufnahmen stellen sich immer mehr Patienten mit Problemen vor, für die sonst der Hausarzt zuständig wäre

Erneut sieht er die Politik am Drücker, wenn es um Lösungen für überfüllte Notaufnahmen im Land geht. Es sei unabdingbar, dass »hier mehr Möglichkeiten« geschaffen werden, um die Arbeit von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzte zu verzahnen. Die Hemmschwelle, sofort eine Notaufnahme aufzusuchen, sei im Vergleich zu früher stark gesunken: »Immer mehr Patienten stellen sich dort mit Problemen vor, mit denen sie eigentlich auch zu einem niedergelassenen Arzt hätten gehen können«, sagt der Oberarzt, der selbst schon in Notaufnahmen Patienten behandelt hat. Beim Marburger Bund und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wird deshalb der Ruf nach Umstrukturierungen laut.

Doch der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Bundeswehrkrankenhaus in Ulm stellt nicht nur Forderungen. Er hat auch Lösungen parat: Der Mediziner denkt an niedergelassene Ärzte, die ihre Praxis direkt bei der Notaufnahmestelle führen. Sie könnten die leichteren Fälle behandeln und so ihre Kollegen entlasten. »Auch digitale Angebote könnten dazu beitragen, zu einem Patientenrückgang in den Notaufnahmen zu führen.«

Reif für Fernmedizin sehen sich die Patienten insgesamt offenbar aber nicht. Das macht eine Umfrage der Krankenkasse AOK klar: Nur ein Viertel der Befragten spricht sich dabei für eine Video-Sprechstunde mit ihrem Hausarzt aus. Selbst Gesundheitsapps nutzen gerade einmal neun Prozent.

Ein weiter akutes Problem sieht Reuther im Mangel an Ärzten — ein Thema, das nicht nur Baden-Württemberg betreffe. Er klagt: »Die Zahl der Studienplätze bleibt gleich, während immer mehr Ärzte benötigt werden.«

Gleichzeitig kämen nach Deutschland viele gut ausgebildete Mediziner, obwohl diese in ihrem Herkunftsland dringend benötigt würden. »Man kann nicht darauf setzen, dass ausländische Ärzte den Ärztemangel in Deutschland aufhalten werden. Hier hilft nur eine Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze um zehn Prozent«, appelliert Oberarzt Reuther .

Schwarzwälder Bote vom 18.11.2017,  Seite 4

Geschrieben am 24.11.2017

Land müsste viel stärker eingreifen

Gesundheit I Marburger Bund will sinnvolleren Krankenhausplan

Von Alexander Kauffmann

Oberndorf. Welche Krankenhäuser sollen geschlossen und welche weiter betrieben werden? In der Diskussion um heikle Standortfragen fordert Frank Reuther, Vorsitzender des Marburger Bundes im Südwesten, ein stärkeres Eingreifen der Landesregierung. Das Land »müsste in einem moderierenden Prozess eine sinnvollere Krankenhausstrukturplanung auf die Beine stellen«, sagte er bei einem Besuch unserer Zeitung. Gleichzeitig sollten die Potenziale der kleineren Häuser besser ausgeschöpft werden. Damit nicht genug: Das Land soll merklich mehr für die Einrichtungen zahlen. »Im Moment verstößt es hier gegen seine Verpflichtungen«, lautet der Vorwurf Reuthers. Auch wenn es um überfüllte Notaufnahmen geht, mahnt der hauptberufliche Oberarzt Konzepte von der Politik an, bei denen niedergelassene Praxen enger mit Krankenhäusern zusammenarbeiten.

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Schwarzwälder Bote vom 18.11.2017,  Seite 1

 

Geschrieben am 13.11.2017

Für eine funktionierende Klinik

Männerforum — Fronten in der Krankenhausdiskussion offenbar nicht mehr ganz so verhärtet

Offene und klare Worte fand Oberbürgermeister Ralf Eggert beim Männerforum in Heumaden zum Reizthema Calwer Krankenhaus. Bezug nehmend auf die Leserbriefe in unserer Zeitung, mahnte Eggert eine sachliche Diskussion an, »sonst zerfleischen wir uns intern« .

Calw-Heumaden.  Den Schulterschluss mit dem OB übten Bernd Neufang und Eberhard Bantel von der Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw in dem gemeinsamen Ziel, dass es auch in Zukunft ein  funktionierendes Krankenhaus geben müsse. »Egal, ob im alten Gebäude oder einem Neubau «, so Neufang.

Dass das Thema Krankenhaus vielen Calwern unter den Nägeln brennt, zeigte das große Interesse an der Veranstaltung. Wolf gang Burkhardt vom Männerforum zählte rund 180 Teilnehmer und lobte das Küchenteam, dem »die wundersame Vermehrung« von 120 Portionen Kassler mit Sauerkraut gelang«. In seinem geistlichen Impuls forderte Pfarrer Dieter Raschko dazu auf, dem politischen Gegner mit Respekt zu begegnen und den Versuch zu wagen »einmal in die Haut des jeweils anderen « zu schlüpfen«.

Unter der Überschrift »Das Krankenhaus in Calw und die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum« gaben Neufang und Bantel einen Abriss über die Entwicklung seit 2004, als dem Oberender-Gutachten die provokante Aussage der Freien Wähler in Calw »Unser Krankenhaus — Sterben auf Raten? « sowie zahlreiche Bürgerproteste und die Gründung des Vereins »Pro Krankenhäuser Calw und Nagold« folgten. Mit der Gründung des Klinikverbunds Südwest und der Schwerpunktbildung in den Krankenhäusern Calw (Kardiologie, Neurologie) und Nagold (Bauch, Urologie) gab es eine zeitweilige Lösung. Die Einrichtung eines Linksherzkatheters in Nagold 2010 und ein Gutachten, das 2013 eine Reduzierung der Bettenzahl in Calw forderte, folgten weitere Einschnitte, die den Calwer Standort schwächten. Neufang sieht sowohl durch
die gesellschaftsrechtliche Struktur der Holding wie auch durch deren Unternehmenspolitik die Interessen Calws benachteiligt. Für den Klinikverbund Südwest sei das Krankenhaus Calw ein »Zulieferer« für die in Böblingen geplante »Flugfeldklinik«.

Neubau als Nebelkerze

Im Neubau eines Krankenhauses im Stamrnheimer Feld in Calw sieht Neufang »eine Nebelkerze«. Ein Widerspruch in sich sei die geplante Größe mit 135 Betten, während die Krankenkassen Häuser mit weniger als 200 Betten schließen wollen. Kontraproduktiv für den Erhalt der Calwer Klinik sieht Eberhard Bantel den Plan, die Orthopädie von Calw nach Nagold zu verlagern und die Zahl der Intensivbetten von acht auf vier zu kürzen: Bantel forderte, dass Calw und Nagold in der Krankenhausfrage wieder enger zusammenrücken und damit die politische Spaltung im Kreis gemindert werde.

Auch der OB will mehr als 135 Betten. »Aber dafür brauche ich Sie«, warb Eggert im Männerforum um Unterstützung: »Ich will das, was ich jetzt kriegen kann und für mehr kämpfen.« Nicht zukunftsfahig sei der Wunsch am alten Standort festzuhalten. Man habe Leerstände und die Brandschutzvorgaben könnten nicht erfüllt werden. Eggert: »Wir dürfen nicht den Fehler machen, alles zu wollen und am Ende mit leeren Händen dazustehen.«

Trendwende zu sehen

Auch wenn nach wie vor verhärtete Positionen deutlich wurden, hinterließ die Diskussion im Männerforum den Eindruck, dass es möglich sein könnte, in der öffentlichen Wahrnehmung zum Streitthema Calwer Krankenhaus eine Trendwende herbeizuführen. So sagte Wolfgang Kömpf, Fraktionssprecher der Freien Wähler im Gemeinderat: »Wir müssen sehen, was machbar ist und die Fundamentalopposition aufgeben.« Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, den Krankenhausstandort Calw zu erhalten.
Von Annette Selter-Gehring

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 13.11.2017

Geschrieben am 13.11.2017

Gesundheitscampus macht Schritt nach vorne

Klinik — Projektpartner beantworten Architekten Fragen zum Realisierungswettbewerb

Calw. Der Gesundheitscampus hat im Calwer Landratsamt einen weiteren Schritt Richtung Realisierung gemacht.

Im Rahmen des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs zur Gestaltung des Gesundheitscampus Calw stieg dort ein Kolloquium, bei dem 14 renommierte Architekturbüros aus Deutschland, Österreich und Luxemburg die Gelegenheit nutzten, um Fragen zur Auslobung des Wettbewerbs zu stellen.

Dabei ging es unter anderem um die Raum– und Funktionsprogramme des Klinikneubaus und der anderen Einrichtungen des geplanten Gesundheitscampus auf dem Stammheimer Feld III in Calw.

Weitere Schwerpunkte waren die äußere und innere Erschließung des Geländes sowie formale Bedingungen des Wettbewerbsverfahrens. Die Fragen wurden von den jeweiligen Campuspartnern und von Andreas Quentin, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Calw, beantwortet. Auch die anwesenden Fach– und Sachpreisrichter beteiligten sich an der intensiven Diskussion.

Die vertretenen Architekturbüros waren für das Angebot des Kolloquiums dankbar und kündigten an, dass sie die erhaltenen Antworten in die anstehenden Planungen einfließen lassen werden. Im Anschluss an das Kolloquium folgte eine gemeinsame Besichtigung des Baufelds auf dem Stammheimer Feld III.

»Dass wir 14 angesehene Architekturbüros mit einer hervorragenden Expertise im Krankenhausbau für die Teilnahme am Wettbewerb zur Realisierung des Gesundheitscampus Calw gewinnen konnten bestätigt, dass  es sich um ein innovatives und zukunftsfcihiges Projekt handelt«, freute sich Landrat Helmut Riegger. »Ich bin überzeugt, dass wir eine sehr spannende Auswahl an Gestaltungsvorschlägen erhalten werden«, so Riegger weiter.

Die Preisgerichtssitzung ist auf den 28. März 2018 terminiert. Vom 9. bis 13. April 2018 werden die Wettbewerbsergebnisse im Landratsamt öffentlich ausgestellt.

Auf dem 6,5 Hektar großen Gesundheitscampus Calw sollen ergänzend zum neuen Krankenhaus ein Nephrologisches Centrum mit 25 Dialyseplätzen, ein Zentrum für Psychiatrie mit einer Klinik für Psychosomatik (30 Betten), einer Tagesklinik für Kinderund Jugendpsychiatrie (12 Plätze) und einer Psychiatrischen Institutsambuianz sowie ein »Haus der Gesundheit« entstehen. Letzteres wird die S-lmmobilienvermögen Gesellschaft der Sparkasse Pforzheim Calw als Bauträger errichten und an verschiedene Praxen, eine Kardiologie, den Pflegestützpunkt sowie auch an ein AOK– und ein PORT-Gesundheitszentrum vermieten.

Die Idee, einen Gesundheitscampus mit mehreren separaten, aber räumlich verbundenen Gesundheitseinrichtungen rund um den Klinikneubau auf dem Stammheimer Feld in Calw zu etablieren, entstand aufbauend auf den Planungen zum Neubau des Calwer Krankenhauses während der Erarbeitung der Medizinkonzeption 2020. Ziel ist eine patientenzentrierte und intersektorale Zusammenarbeit verschiedener Professionen des ambulanten Sektors sowie zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor.

Dieses Konzept wird sowohl vom baden-württembergischen Sozialministerium als auch von der AOK BadenWürttemberg ausdrücklich unterstützt.

Der Landkreis investiert rund 36 Millionen Euro für den Klinikneubau (ohne Parkplätze und Außenanlagen), die anderen Partner insgesamt rund 20 Millionen Euro für die angegliederten Einrichtungen.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 12.11.2017

Geschrieben am 10.11.2017

Krankenhaus Thema beim Männerforum

Es treibt die Menschen in Calw um: die Frage nach der medizinischen Versorgung durch das Krankenhaus in Calw.

Calw-Heumaden. Das Männerforum Heumaden lädt ein, sich am Freitag, 10. November, ab 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus über die Zukunft des Krankenhauses und die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu informieren. Referenten sind Eberhard Bantel und Bernd Neufang von der Bürgerinitiative Krankenhaus Calw.

Neufang wird die strukturelle Seite erläutern: Wie ist das Krankenhaus in den Verbund eingegliedert und welche Konsequenzen hat dies für die Menschen im Calwer Raum. Bei der Topographie der Region ist es nicht einfach, eine gute und schnelle Gesundheitsversorgung zu sichern. Was bedeutet es, wenn man nicht mehr in 30 Minuten sein Krankenhaus erreicht? Planungen leben von Prognosen. Allerdings sind kritische Befragungen ebenso wichtig, um zu bewerten, ob Prognosen der Realität nahe kommen. Wie stark dürfen wirtschaftliche Faktoren ausschlaggebend sein, um einen Plan zur medizinischen Versorgung aufzustellen? Werden tatsächlich Kosten reduziert durch das vorliegende Konzept — und auf wessen Kosten? Was bedeuten Schließungen und Verlagerungen von Abteilungen für die Gesundheitsversorgung und die Entwicklung der Stadt? Solche und andere Fragen behandeln die beiden Vertreter der Bürgerinitiative, die mit nahezu 18 000 Unterschriften für den Erhalt der Orthopädie bei ihrem Engagement unterstützt wird.

Schwarzwälder Bote, Calwer Teil vom 4.11.2017

Geschrieben am 10.11.2017

Marburger Bund reagiert auf Kliniksterben

Das Kliniksterben ruft den Marburger Bund auf den Plan. Die Ärztegewerkschaft fordert klarere Vorgaben für Investitionen in Krankenhäuser.

Berlin. Bund und Länder müssten endlich einen Weg finden, wie der tatsächliche Investitionskosten bedarf der Krankenhäuser verbindlich gedeckt werde, erklärte der Marburger Bund am Donnerstag in Berlin. Erforderlich sei eine gesetzlich verankerte Mindestförderung für den Substanzerhalt und die Investition in bedarfsgerechte Strukturen. Die jährliche Preisfindung auf Landesebene müsse eine volle finanzielle Abdeckung der Tariflohnsteigerungen ermöglichen. Dazu müssten Tarifergebnisse als wirtschaftliche Kosten zur die Abdeckung von Personalkosten anerkannt werden, so die Ärzte-Vertretung.

Schwarzwälder Bote, Politikteil vom 03.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Kliniken beklagen Kürzungen

Studie -  Sozialminister setzt auf weitere Konzentration: bald unter 200 Krankenhäuser?

Immer mehr Patienten im Land werden in immer weniger Kliniken behandelt. Das zeigt die aktuelle Krankenhausstatistik. Und der Strukturwandel geht auch in Zukunft weiter.

Immer weniger Krankenhäuser in Baden-Württemberg versorgen immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistisch Landesamt in seinem Jahresbericht. Demzufolge wurden im vergangenen Jahr 2,17 Millionen Patienten in Kliniken vollstationär behandelt. Das sind 27.000 mehr als im Jahr zuvor (plus 1,2 Prozent). Verantwortlich dafür seien der demografische Wandel und der medizinische Fortschritt, erklärt Annette Baumer, Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG).

Aktuell gibt es demnach 266 Krankenhäuser. Vor zehn Jahren waren es noch 296. Dieser Trend setzt sich fort: Im Kreis Lörrach schließen sich drei Kreiskliniken und ein kirchliches Haus als Klinikgesellschaft in einem geplanten Neubau zusammen. Die bei den Kliniken in Albstadt und Balingen sollen zu einer Zentralklinik im Zollernalbkreis fusionieren.

Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) indes hat prognostiziert, in zehn, 15 Jahren werde die Zahl der Kliniken auf 200 sinken. Der Südwesten habe zu viele kleine Einrichtungen und zu wenig Spezialisierungen.

Zu diesem Schluss kommt auch der aktuelle Krankenhaus Rating Report des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Dort wird der jährliche Investitionsbedarf für die Kliniken im Land auf 650 Millionen Euro beziffert. Für die neuen Baumaßnahmen sind im Etatentwurf 2018/2019 laut Sozialministerium 487,8 Millionen Euro für beide Jahre eingeplant.

>Thema des Tages

 

Von Carola Fuchs, Oberndorf

Schwarzwälder Bote, Titelseite vom 2.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Thema des Tages — Hilfestellung

Ob im Nordschwarzwald, auf der Zollernalb oder an der Grenze zur Schweiz: Die KIiniklandschaft im Südwesten bleibt in Bewegung. Aktuell zu studieren — nur beispielsweise — in Lörrach,  in Albstadt oder in Calw. Dabei ist es richtig, dass die Landesregierung kein Schema F über die Regionen spannt. Vor Ort müssen passgenau Lösungen gefunden werden. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Landkreise stoßen mit dieser Aufgabe an ihre Grenzen. Demografie, medizinischer Fortschritt, Wirtschaftlichkeit und lokale Befindlichkeiten unter einen Hut zu bringen, ist eine Kunst, die niemand kann. Deshalb darf das Land Baden-Württemberg Kreise und Kommunen bei
dieser Mammutaufgabe nicht alleinlassen. Vielmehr sollte das Sozialministerium den Wandel stärker begleiten. Nicht mit Besserwisserei von oben. Aber mit Sachverstand und Hilfestellung.

von Hans-Peter Schreijäg

Schwarzwälder Bote, Titelseite vom 2.11.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Alter Standort nicht zu halten

Krankenhaus-Debatte — NLC-Antrag scheitert/ Eggert: Nur mit Neubau behält Calw eine Klinik

 

Die große Mehrheit der Bürger in Calw will am alten Krankenhaus festhalten. Das wäre auch den meisten Gemeinderäten am liebsten. Doch letztlich wird am Neubau mit verringerter Bettenzahl kein Weg vorbeiführen.

Die Neue Liste Calw (NLC) wollte den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Stammheimer Feld III nutzen, um letztlich am alten Krankenhaus-Standort festzuhalten. Doch mit dem von Hans Necker gestellten Antrag stieß die NLC auf den Wiederstand aller anderen Mitglieder des Bau– und Umweltausschusses des Gemeinderats.

Wenn wir den Neubau verhindern, bekommen wir am Ende nicht das, was wir wollen”, lautet schließlich das Fazit von Oberbürgermeister Ralf Eggert. Und damit meinte der OB das alte Krankenhaus.

Das sieht auch Dieter Kömpf, Fraktionssprecher der Freien Wähler so und verwies in diesem Zusammenhang auf den entsprechenden Beschluss des Kreistags. Mit dem Neubau ist die Notfallversorgung in Calw, etwa bei Schlaganfallen. Herzinfarkten und Unfällen laut OB gesichert. Eggert: “Und ich erwarte, dass dies auch so umgesetzt wird.“

Der Neubau in Calw sei Bestandteil von 3 plus und damit des medizinischen Versorgungskonzepts des Landkreises. Werde dieses Konzept nicht umgesetzt, müsste neu geplant werden.

Verlagerung erst ganz zum Schluss

Er werde, so Eggert, deshalb alles tun, dass 3 plus ein Erfolg wird. Darin sei auch vereinbart, dass mit der Verlagerung von Abteilungen, nach derzeitigem Stand der Orthopädie, erst begonnen werden kann, wenn alle baulichen Maßnahmen in Calw und Nagold abgeschlossen sind.

Am alten Standort ist bei den heutigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen nach Eggerts Auffassung das Krankenhaus nicht mehr überlehensfähig. Das liege schon an den baulichen Gegebenheiten.

Ein effizientes Arbeiten ist in dem immer wieder erweiterten, mehrstöckigen und unübersichtlichen Gebäude nicht möglich. Der Kostendruck im Krankenhaus steige ständig. Bei Neubauten würden heute die Flure so angelegt, dass eine Pflegekraft bis zu 48 Patienten versorgen kann. In Bestandsflächen lasse sich so etwas kaum umsetzen.

Harald Mast (CDU) appellierte an seine Ratskollegen, möglichst mit einer Stimme zu sprechen und eine erneute Debatte um den Standort zu vermeiden.

Mannsfeld fehlt es an Transparenz

Das falle schwer, meinte lrmhild Mannsfeld, „wenn uns die Vollversorgung genommen wird“. Ihr fehlt es an Transparenz bei den Zahlen. Mannsfeld macht es stutzig, wenn nun wieder von Defiziten die Rede sei.

 

Von Alfred Verstl

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 21.10.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Ein Tag lang dreht sich alles um Geburt und Schwangerschaft

Gesundheit - Calwer Klinik lädt werdende Eltern ein

Vorträge, Workshops, Kinderprogramm — am bunten Familientag der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe dreht sich alles rund um Schwangerschaft, Geburt und Gynäkologie.

Junge Eltern wollen alles richtig machen. Dazu braucht es aber viel Hintergrundwissen für die neue, anstehende Lebensphase. Beim kostenfreien Familientag der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe dreht sich daher am Samstag, 7. Oktober, von 11 bis 16 Uhr alles rund um die Themen Frauengesundheit, Schwangerschaft, Geburt und Familienleben. Das von der WHO als babyfreundlich zertifizierte Krankenhaus bietet werdenden Eltern seit jeher eine individuelle und familienorientierte Geburtshilfe. Das Team der Klinik richtet die Veranstaltung zum dritten Mal aus und gibt Frauen, Eltern und werdenden Eltern die Möglichkeit, Informationen aus erster Hand gerade zu den Themen zu sammeln, die wesentlich sind während der Schwangerschaft und im Alltag mit Babys und Kleinkindern.

Praxisnahe Workshops

Auftakt ist um 11 Uhr mit Begrüßung durch Chefarzt Arkadiusz Praski und seinem anschließenden Vortrag über die neuesten, modernen Operationstechniken in der Gynäkologie. In weiteren Vorträgen sowie praxisnahen Workshops — für Eltern, aber auch Großeltern — und an Infoständen haben Besucher dann die Möglichkeit, sich Wissen anzueignen, unter anderem über Osteopathie für Kinder, die heilsame Wirkung von Tees, zu rechtlichen und finanziellen Hintergründen rund ° ums Kinderkriegen (zum Beispiel Elterngeld), zur Kindersicherheit im Auto oder zu Tragehilfen und Tragetüchern.

Zudem gibt es Kinderbekleidung, Töpferarbeiten, einen Büchertisch, alkoholfreie Cocktails sowie Produkt und Infoständestände der Sanitätshäuser, des ADAC, von Pro Familia und der »Frühen Hilfen«. Sie alle präsentieren im Rahmen des Familientages ihr Sortiment für Familien rund um Schwangerschaft und Frauengesundheit. Ebenso steht eine Fotografin bereit um Schwangere und auf Wunsch ihre Partner oder gleich die ganze Familie in geschützter Atmosphäre perfekt in Szene zu setzen für eine bleibende Erinnerung an den Babybauch.

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 5.10.2017