Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 23.10.2017

Toller Ort für den Start ins Leben

Familientag — Rund 500 Geburten im Jahr / Probleme mit zeitweiser Schließung des Kreißsaals

Familientag in der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Einen ganzen Tag lang herrscht eine ganz andere Art von »Aufregung« — nachdem die Klinik vor allem wegen Einschränkungen im Kreißsaalbetrieb in den Schlagzeilen war.

Heute stehen ganz die jungen Familien im Mittelpunkt. Die Nachwuchs planen, wo er sich vielleicht schon ankündigt, die auf der Suche sind nach einem passenden Ort, wo die eigenen Kinder das Licht der Welt erblicken sollen. Was man als Besucher auf der Calwer Babystation sofort merkt: Hier herrscht ein herzlicher, ein fröhlicher, ein familiärer Umgangston. Ein toller Ort für den Start ins Leben.

Die Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe gilt mit derzeit rund 500 Geburten im Jahr als kleine Geburtsklinik. Das genau aber sei auch ihre Stärke, unterstreicht Ingrid Geiss, die Stationsleiterin, beim Rundgang durch die Abteilung. Seit 40 Jahren arbeite sie bereits als Krankenschwester — viel, sehr viel Erfahrung. Ein halbes Dutzend Babys seien im Augenblick hier, nur ein Zimmer sei frei — für den heutigen Tag wurde es zum Spielzimmer für Geschwister-Kinder umfunktioniert. Hier können sie sich knallbunt schminken lassen Oder sich austoben.

Vor dem Spielzimmer knoten Julia Sukatsch, die leitende Hebamme, und ihre Kolleginnen farbige Luftballons zu lustigen Tieren. Die eindrucksvolle Fingerfertigkeit komme vielleicht vom routinierten Nabelschnur-Abbinden, feixen sie: Die Hebammen hier in der Calwer Geburtsstation haben aber auch wieder allen Grund zum Lachen: Nachdem zwei neue Hebammen sich kurzfristig hierher beworben hatten, konnte der jüngste personelle Engpass, der zur  mehrwöchigen, samstäglichen Schließung des Calwer Kreißsaals geführt hatte, vorzeitig überwunden werden.

Samstag offenbar ein Mysterium

Auch Alexandra Freimuth, Regionaldirektorin Süd des Kreisklinikums Calw-Nagold, hat entsprechend gute Laune, als sie zum Familientag der Calwer Geburtsstation stößt. Sie bestätigt, dass es wegen der Kreißsaal-Schließung in den vergangenen Wochen zu keinerlei kritischen Situationen gekommen sei. Tatsächlich sei es so, dass es wirklich ausgerechnet an Samstagen stets weniger Geburten in Calw gebe als an anderen Wochentagen — das habe ein Blick in die Statistik ergeben, als man den idealen Tag für die unumgängliche Kreißsaal-Schließung gesucht habe. Warum aber ausgerechnet an Samstagen weniger Babys auf die Welt wollen? »Ein Mysterium, ein großes Geheimnis.« Vielleicht sei es die Sportschau oder die tolle Möglichkeit, an diesem Tag shoppen zu gehen, frotzeln die Damen von der Geburtsstation.

Beim Chefarzt der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Arkadiusz Praski, geht es etwas ernsthafter zu. Er bietet einen Vortrag über die neuesten, modernen Operationstechniken in der Gynäkologie an — mit anschließender praktischer Vorführung am LaparoskopieTrainer, wo jeder auch selbst einmal das minimal-invasiven Operationsbesteck ausprobieren darf. Praskis Vortrag allerdings ist erstmal nichts für zarte Seelen. Der Mann ist absoluter Profi — und daher hält er sich nicht lange mit theoretischem Geplänkel auf. Er zeigt in Bild und Video »am lebenden Objekt«, wie so eine Endoskopie im Detail aussieht. Wer das nicht gewohnt ist, muss erstmal ob der Bilder schlucken.

Aber: Mehr Informationen, Aufklärung und Transparenz zu diesen medizinischen Themen geht einfach nicht. Das findet wohl auch Praskis Publikum, das überwiegend aus Frauen bestehet — denn die geht das hier ja vor allem etwas an. Sie schenken jede Sekunde ihre volle Aufmerksamkeit dem Gehörten und Gezeigten.

Okay, zum angebotenen Mittagstisch unten im Calwer Krankenhauscafe sollte man nach Praskis Ausführungen eher nicht gleich gehen. Aber es gibt ja auch noch den »Marktplatz der Möglichkeiten« zum Familientag, mit allerlei Infoständen — etwa vom ADAC, der über perfekte Autokindersitze informiert; oder dem Calwer Sanitätshaus Reutter, das Produkte rund um Schwangerschaft und Frauengesundheit mitgebracht hat. »Pro Familia« und die »Frühen Hilfen« des Calwer Landratsamtes sind mit Beratungsangeboten vertreten, wobei es bei letzterem noch mal sehr ernst wird.

Schütteln kann ganz schlimme Folgen haben

Nicole Bühler ist die Netzwerk-Koordinatorin der »Frühen Hilfen«. Und sie hat eine etwas gruselige Baby-Puppe mitgebracht. eine mit einer gläsernen Schädeldecke und freiliegendem Plastik-Gehirn. Ihr Thema: jungen Eltern beizubringen, ihr Neugeborenes wirklich niemals zu schütteln — etwa, weil es nicht aufhören will zu schreien. Ist das denn ein Problem? »Das kommt leider sehr viel häufiger vor als man denkt«, so Bühler. Und sie demonstriert an der Puppe, was dabei passiert: Durch das Schütteln wird das Baby zwar tatsächlich ruhig, aber nur, weil sensible Kapillargefäße im Nacken, die dessen Atmung steuern, durch das Schütteln verletzt werden. Die Atmung setzt aus, was zur Sauerstoffunterversorgung des Gehirns führt. Schwere Hirnschäden oder gar der Tod sind die Folge.

Man muss schon wieder schlucken. Aber beim zweiten Nachdenken kann man sich auch darüber freuen, dass hier in der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auch an diese Themen präventiv gedacht wird. Und es hier solche Informationsangebote gibt.

Von Axel H. Kunert

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 9.10.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Stefan Winterer freut sich auf seine nächste Operation

Gesundheit — Patienten schildern Erfahrungen mit Gelenkersatz / Arthrose schränkt Lebensqualität ein

Kann man sich auf eine Operation regelrecht freuen? Offensichtlich, zumindest, wenn man Stefan Winterer  zuhört. Der 62-jährige Physiotherapeut aus Tübingen steht vor seiner zweiten Knie-OP an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw. Und freut sich drauf.

Denn der erste Eingriff an seinem anderen Knie ist optimal verlaufen. Wer an Arthrose erkrankt, leidet oft an zunehmenden Schmerzen, die den Aktionsradius immer weiter einengen. Lebensqualität geht verloren. Und vielen Patienten hilft am Ende nur die Operation und das Einsetzen einer Endoprothese.

Die degenerative Gelenkerkrankung ist zur Volkserkrankung geworden. In Deutschland werden jährlich 400 000 Hüft– und 400 000 Kniegelenke eingesetzt, berichtet der Calwer Chefarzt Martin Handel bei einer Informationsveranstaltung in Zusammenarbeit mit der Rheumaliga im Kurhaus in Bad Liebenzell.

Schmerzen so gering wie möglich halten

Der Orthopäde stellte zusammen mit Jens Döffert, Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin, die Methoden vor, mit denen in Calw an Arthrose erkrankten Patienten geholfen wird. Schonend gehen die Ärzte dabei mit den Kranken um. Was allerdings nicht heißt, dass solche Eingriffe schmerzfrei verlaufen. Allerdings sorgt Döffert, der die Regionalanästhesie gegenüber der Vollnarkose vorzieht, dafür, dass der Patient den Eingriff möglichst schmerzarm übersteht. Dazu trägt vor allem das Einsetzen eines Schmerzkatheters bei. Bei den Kniegelenken arbeitet Handel seit 2012 mit individuell angepassten Prothesen. Sie werden dem Knochen angepasst, stehen nirgendwo über und irritieren somit nicht Sehnen und Bänder.

Ramona Federschmid freut sich über ihre wiedergewonnene Lebensqualität. Jahrelang plagten die heute 56-jährige rheumatische Beschwerden im Sprunggelenk. Am Ende konnte sie nicht mal mehr die Bettdecke auf ihrem Fuß ertragen. 2011 wurde ihr eine Prothese eingesetzt, in diesem Jahr folgte eine Sprunggelenkversteifung.

Wieder barfuß über eine Wiese gehen

Ramona Federschmid genießt es, wieder barfuß über eine Wiese zu gehen, kann wieder längere Spaziergänge machen Rad fahren und Schwimmen. Herbert Noe, der sich 2013 in Calw einer Hüftoperation unterzog, hangelt sich im Hochgebirge wieder Klettersteigen entlang und ist im Winter auf Skipisten unterwegs.

 

Von Alfred Verstl

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 6.10.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Patienten sprechen über Gelenkersatz

Podiumsdiskussion - Betroffene berichten von ihrem Leben vor und nach Operation

Am Mittwoch, 4. Oktober, berichten Patienten mit künstlichem Hüft-, Knie– und Sprunggelenk über ihre Erfahrungen. Der kostenlose, mit der Rheuma Liga Calw organisierte Infoabend findet im Kurhaus in Bad Liebenzell statt.

Es ist eine Frage der Schmerzen: Durch Abnutzung, falsche Belastung oder eine Verletzung verschleißt der Knorpel, bis Knochen auf Knochen reibt. Diese degenerative Gelenkerkrankung wird Arthrose genannt und zunächst konservativ mit Krankengymnastik oder Medikamenten behandelt.

Wenn diese keine Erfolge mehr zeigt, nehmen die Schmerzen zu, die Gelenke tun dann sogar im Ruhezustand weh. Der Betroffene bewegt sich immer weniger und leidet unter einem immer kleineren Aktionsradius. Wann das Maß voll ist und die Schmerzen unerträglich werden, entscheidet der Patient. Rund 400000 Endoprothesen, also künstliche Gelenke, werden deutschlandweit jährlich eingesetzt.

Welche Konsequenzen?

Doch die Entscheidung fallt vielen nicht leicht: Was bedeutet die Operation tatsächlich, mit welchen Konsequenzen ist zu rechnen, wie lange braucht der Körper, um sich wieder ganz zu erholen und was würden Patienten, die bereits einen künstlichen Gelenkersatz haben, heute anders entscheiden als vorher?

Um Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich ein Urteil aufgrund von Erfahrungen und Berichten aus erster Hand zu bilden, hat Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an den Kliniken Calw, drei Patienten gebeten, anderen Leidensgefährten Rede und Antwort zu stehen. Am Mittwoch, 4. Oktober, von 18 bis 21 Uhr findet eine Podiumsdiskussion zum Thema »Künstlicher Gelenkersatz« statt, flankiert von zwei kurzen Vorträgen, die aus medizinischer Sicht die Thematik beleuchten sollen: Jens Döffert, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin in Calw spricht über »Narkose und Rheuma – Auswirkungen und Alternativverfahren zur Vollnarkose«, während Handel das Thema »schonende Operationstechniken bei künstlichen Hüft– und Kniegelenken« aufgreift.

Der Schwerpunkt des Abends liegt jedoch in der Podiumsdiskussion. Drei betroffene Patienten werden vorgestellt und berichten über den Verlauf ihrer Behandlung, den Genesungsprozess sowie über ihr Leben vor und nach Implantation einer Endoprothese.

Im Anschluss an die Vorstellung werden Fragen der Zuhörer beantwortet. Auch individuelle Fragen der Zuhörer werden beantwortet.

Der kostenfreie Patienteninfoabend findet im Kurhaus Bad Liebenzell, Kurhausdamm 6, statt.

 

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 28.9.2017

 

Geschrieben am 23.10.2017

Kreißsaal bald wieder die ganze Woche offen

Kliniken — Einschränkungen in Calw gehören ab 1. Oktober der Vergangenheit an / Klinikverbund richtet Hebammen-Springerpool ein

Vier Wochen früher als ursprünglich geplant sind die samstäglichen Einschränkungen im Kreißsaalbetrieb des Calwer Krankenhauses passe. Ab dem 1. Oktober steht das gesamte geburtshilfliche Angebot wieder uneingeschränkt an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr zur Verfügung.

Dies meldete der Klinikverbund Südwest gestern Nachmittag. »Dank des großen Engagements aller Beteiligten in den vergangenen Wochen und Monaten ist es uns gelungen zwei neue Hebammen für den Standort Calw gewinnen zu können und somit die Personalsituation wieder zu normalisieren«. Berichtet der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, Jörg Noetzel.

Er stellte zudem nochmals klar, dass keinem — weder dem ärztlichen Personal noch den Hebammen oder der Verwaltung — die gemeinsam getroffene Entscheidung zu den Samtagsschließungen in der Vergangenheit leicht gefallen sei. »Eine Reduktion des Leistungsangebotes in einer Geburtshilfe ist immer die Ultima Ratio und verständlicherweise sehr emotional besetzt. Letztendlich aber steht immer die Sicherheit von Mutter und Kind im Mittelpunkt, parallel ist es sehr wichtig, das Wohl der Mitarbeiter im Auge zu behalten.« In allen Kreißsälen des Klinikverbunds Südwest werde mit enormem Einsatz gearbeitet. Aufgrund der hohen Belastung und mehrerer nicht mehr abzudeckender Schichten, so Noetzel, habe man deshalb in enger Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen des Kreißsaales in Calw vorübergehend das Leistungsangebot reduzieren müssen — und zwar an einem Tag, an dem erfahrungsgemäß weniger Geburten zu erwarten seien.

Um erneuten kurzfristigen personellen Engpässen noch besser begegnen zu können, arbeitet der Klinikverbund Südwest bereits seit mehreren Monaten an der Etablierung eines verbundweiten Springerpoolkonzeptes. »Bereits jetzt konnten wir dank der Verbundstruktur den personellen Engpass in Calw zumindest teilweise abfedern. Ohne die bereitwillige Unterstützung der Hebammen aus dem Landkreis Böblingen, in diesem Falle aus Herrenberg, wäre sicher mehr als nur eine Wochenendeinschränkung zu befürchten gewesen und die Rückkehr zum 24/7-Betrieb schon im Oktober auch nicht möglich gewesen«, unterstreicht Noetzel die gute standort– und landkreisübergreifende Zusammenarbeit. »Letztendlich kämpfen aber auch unsere größeren geburtshilflichen Standorte wie Böblingen oder Herrenberg Tag für Tag mit dem bundesweiten Hebammenmangel.«

Aktuell bleiben Hebammen bundesweit im Schnitt lediglich rund vier bis fünf Jahre in ihrem angestammten Beruf, und rund jede fünfte Klinik in Deutschland hat massive Probleme, alle Hebammenstellen zu besetzen, darunter selbst Maximalversorger in den großen Ballungszentren, wie es in der Pressemitteilung des Klinikverbunds heißt. Allein in der Region seien in den vergangenen zwölf Monaten neben Calw unter anderem die Kreißsäle in Mühlacker, Freudenstadt, Bruchsal und Bühl (Baden-Baden) zeit– oder blockweise geschlossen gewesen.

Neuer dreijähriger Ausbildungsgang zur Hebamme

Perspektivisches Planziel ist es laut Noetzel beim Klinikverbund, mit drei weiteren, zusätzlichen Hebammenstellen einen flexiblen Springerpool zu etablieren, um Schwangerschaften, Kündigungen oder längerfristige Erkrankungen künftig noch besser kompensieren zu können. Dafür rechnet der Verbund mit zusätzlichen Kosten für seine Träger, die Kreise Calw und Böblingen, von bis zu 200000 Euro jährlich. »Hier ist weder eine Refinanzierung durch die Krankenkassen möglich, noch eine monetäre Unterstützung seitens des Landes in Sicht«, so Noetzel, der aber zu bedenken gibt: “Die Bereitschaft, Stellen zu schaffen ist das eine, die dafür zusätzlich benötigten Hebammen auf dem leergefegten Arbeitsmarkt zu bekommen, nochmal eine ganz andere.«

Um den künftigen Bedarf an Hebammen weiter decken zu können, bietet der Klinikverbund Südwest daher parallel zur intensiven, bundesweiten Personalakquise zusammen mit seiner verbundeigenen Schule für Gesundheitsberufe in Böblingen seit April dieses Jahres erstmalig einen eigenen dreijährigen Ausbildungsgang zur Hebamme respektive zum Entbindungspfleger an. In Kooperation mit der Universitätsklinik Ulm, an deren Akademie die theoretische Ausbildung angeboten wird, werden somit bis 2019 parallel 12 Auszubildende für den Hebammenberuf im Klinikverbund tätig sein, ab 2020 sollen dann Jahr für Jahr vier Hebammen ihre Ausbildung abgeschlossen haben. »Für diesen Ausbildungsgang erhalten unsere Auszubildenden zusätzlich zur Ausbildungsvergütung einen Fahrt– oder Mietkostenzuschuss, da die Hebammenschulen in der Region leider aufgrund des drängenden Eigenbedarfs der jeweiligen Kliniken nicht bereit waren, uns Ausbildungsplätze abzutreten «, erläutert Noetzel die Hintergründe des neuen Ausbildungskonzeptes. »In der Folge prüfen wir aktuell die Möglichkeit, eine eigene Hebammenschule zu eröffnen und damit die Anzahl der Auszubildenden noch weiter steigern zu können.«

Trotz aller Bemühungen bleibe der Mangel an Hebammen aber bundesweit und damit auch für den Klinikverbund ein Thema. Deshalb will man beim Klinikverbund auch kein Versprechen abgeben:

Eine garantierte Sicherheit, dass der Fachkräftemangel in unseren Kliniken nicht eintritt, können wir — bei allem Verständnis für politische und gesellschaftliche Forderungen — nicht geben. Das wäre nicht seriös«, stellt Noetzelklar. »Aber klar ist, dass schon seit Längerem alles unternommen wird, um einerseits auftretende Lücken zu schließen und andererseits perspektivisch in Zukunftslösungen zu investieren«, sagt Noetzel.

 

Schwarzwälder Bote, Nordschwarzwald, vom 28.9.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Calw fordert, Kreißsaal offen zu halten

Aufreger: OB schreibt an Klinikverbund

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ist derzeit der Calwer Kreißsaal jeweils samstags geschlossen — und das noch bis einschließlich 28. Oktober. Im Calwer Gemeinderat sorgte das jüngst für eine zum Teil hitzige Debatte. Nun wandte sich Calws Oberbürgermeister Eggert in einem Brief an den Vorsitzenden der Geschäftsführung des Klinikverbundes Südwes, Jörg Noetzel.

Der Inhalt: eine mahnende Ansprache an den Klinikverbund, dass sich eine solche Situation künftig nicht mehr wiederholen dürfe. So fordert der Calwer Gemeinderat unter anderem, Leistungseinschränkungen dieser Art sollen durch eine vorausschauende und engagierte Personalpolitik vermieden werden. Das Gremium fürchtet, dass die Abteilung ernsthaft gefährdet sei. sollte es auch künftig zu zeitweisen Schließungen kommen.

Und nicht nur das: Auch der Vorwurf, dass das Calwer Krankenhaus und seine Mitarbeiter bewusst beeinträchtigt werden, steht im Raum.

Von Ralf Klormann

Schwarzwälder Bote, Nordschwarzwald vom 27.9.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Die Räte fordern: Das darf sich nicht wiederholen!

OB Ralf Eggert wendet sich wegen Kreißsaal-Schließung an Klinikverbund

Samstags sollte eine Frau dieser Tage besser kein Kind bekommen – denn dann ist der Calwer Kreißsaal derzeit geschlossen. So darf es nicht weitergehen, unterstreicht der Calwer Gemeinderat. Oberbürgermeister Ralf Eggert wandte sich deshalb mit deutlichen Worten an den Klinikverbund.

Zuerst vom 10. Juni bis zum 29. Juli, nun seit dem 2. September und bis einschließlich 28. Oktober — in diesen beiden Zeiträumen blieb und bleibt der Kreißsaal des Calwer Krankenhauses jeweils samstags ab 6 Uhr bis Sonntagmorgen 6 Uhr geschlossen. Und damit zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate. Unter anderem Hans Necker (NLC) reichte es nun: In der jüngsten Sitzung des Calwer Gemeinderates machte er seinem Ärger deutlich Luft – und betonte, dass sich wiederholende Schließungen dem guten Ruf des Krankenhauses schaden würden. Eine einfache Lösung scheint aber nicht in Sicht zu sein.

Auch andernorts begehrt

Denn, so führte OB Ralf Eggert aus, Hintergrund der Schließungen sei bekanntermaßen der bundesweite Hebammenmangel. Und Calw habe in den vergangenen Monaten sogar vom Klinikverbund zusätzliche Hebammen zur Verfügung gestellt bekommen. > Wir hätten sonst viel früher Probleme bekommen«, erklärte der OB. Durch Schwangerschaft und Umzug von Hebammen habe sich die Situation letztlich aber doch wieder zugespitzt.

Der Klinikverbund plane, das Problem mit einer Hebammenschule in Nagold zu lösen. Ob die dort ausgebildeten Fachkräfte jedoch am Ende im Kreis blieben, sei letztlich unklar. Denn: Auch andernorts sind Hebammen begehrt, können sich ihren Arbeitsplatz entsprechend nahezu frei aussuchen. »Der Markt ‚ist leer«, stellte Eggert klar. Ausbildungsplätze seien nicht begehrt, unter anderem weil in Schichten und an Wochenenden gearbeitet werden müsse und man eine hohe Verantwortung trage.

Ralf Recklies (SPD) regte daraufhin an, eine Art Petition an den Kreistag zu verfassen, damit dieser sich an den Bund wende. Letzterer solle aufgefordert werden, die Bedingungen für Hebammen — unter anderem was die Versicherung betreffe — zu verbessern, um den Beruf attraktiver zu machen. Adrian Hettwer (GfC) meinte jedoch, die Situation sei bekannt, eine Petition helfe deshalb nicht.

Eggert schlug letztlich vor, einen Brief an den Vorsitzenden der Geschäftsführung des Klinikverbundes Südwest, Jörg Noetzel, zu schreiben. Darin erklärt der OB, dass nur ein kleiner Teil der Calwer Gemeinderäte überzeugt sei, »dass die Geschäftsführung alles unternimmt, um die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Standort Calw zu erhalten und zu stärken«.

Darüber hinaus stehe der Vorwurf im Raum, dass »durch Behinderungen der Ärzte, des Pflegepersonals und Verzögerungen und Erschwernisse bei der Nachbesetzung offener Stellen bewusst das Krankenhaus und seine Mitarbeiter beeinträchtigt werden«.

Der Brief endet mit der Forderung, dass sich eine solche Situation nicht wiederholen dürfe und dass dafür alles getan werden müsse.

 

Von Ralf Klormann

Schwarzwälder Bote vom 27.9.2017

 

INFO Der Beschluss im Wortlaut

Der Gemeinderat der Großen Kreisstadt Calw anerkennt, dass die Besetzung von freien Stellen von Hebammen, Pflegekräften und Ärzten eine Herausforderung darstellt. Er würdigt ausdrücklich, dass durch Personal aus anderen Standorten eine Unterstützung erfolgt ist, was seinerzeit auch wesentlicher Grund für den Beitritt in die Holding war.

Gleichwohl fordert der Gemeinderat den oben genannten Personenkreis (Geschäftsführung der Holding, des Kreiskrankenhauses Calw und die Personalabteilung, Anm. d. Red) auf, künftige Leistungseinschränkungen des Kreiskrankenhauses Calw durch eine vorausschauende und engagierte Personalpolitik zu vermeiden.

Nachdem binnen eines halben Jahres nun zweimal die Geburtshilfe in Calw zeitweise geschlossen werden muss, sieht der Gemeinderat den Bestand der Abteilung bei einer Wiederholung dieser Situation als ernsthaft gefährdet an. Die Sorge um Nichtbesetzung bzw. verzögerte Besetzung von Steilen betrifft ausdrücklich auch andere Abteilungen des Krankenhauses, also alle Ärzte, das Pflegepersonal sowie die Verwaltungsmitarbeiter.

Der Gemeinderat erwartet von der Geschäftsführung, dass eine derartige Situation sich nicht wiederholen wird. Ihm ist bewusst, dass dies eine besondere Herausforderung angesichts des bundesweiten Personalmangels darstellt. Aber das Krankenhaus in Calw liegt nicht in der tiefen ländlichen Region, sondern eine halbe Stunde Fahrtzeit von Böblingen/Sindelfingen und damit von der Metropolregion Stuttgart entfernt. Außerdem sind wir in einem großen Klinikverbund, was die Sicherstellung von ausreichendem Personal wesentlich erleichtern muss.

Geschrieben am 15.09.2017

Krankenhaus: Wusste wirklich niemand was?

Die Stadt Calw befindet sich in Gesprächen mit dem Landratsamt über die Zukunft des Krankenhausgeländes. Diese Nachricht unserer Zeitung hatte Anfang August für Aufregung gesorgt. Selbst der Gemeinderat habe nichts gewusst, beschwerte sich eine Rätin. Ach wirklich?

Wenn man als Mitglied des Gemeinderates aus der Zeitung erfährt, worüber sich Oberbürgermeister Eggert in Sachen Calwer Krankenhaus Gedanken macht, dann ist man mehr als enttäuscht.” Mit diesen Worten beginnt ein Leserbrief von Irmhild Mannsfeld, den die Calwer Gemeinderätin stellvertretend für ihre Fraktion, die Neue Liste Calw (NLC), im August verfasst hatte. » weiterlesen

Geschrieben am 08.09.2017

Engpass in der Geburtshilfe

Wer im Kreis Calw in den nächsten Wochen ein Kind erwartet, sollte sich – zumindest an den Wochenenden – über einen alternativen Geburtsort Gedanken machen: Aufgrund einer nach wie vor angespannten Personalsituation steht der Kreißsaalbetrieb an den Kliniken Calw an den Wochenenden im September und Oktober nur eingeschränkt zur Verfügung. Das teilt der Klinikverbund Südwest mit, der sich nicht zum ersten Mal in diesem Jahr zu dieser Restriktion gezwungen sieht.

Beginnend mit dem kommenden Samstag, 2. September, bis einschließlich 28. Oktober bleibt jeweils samstags – ab 6 Uhr bis Sonntagmorgen 6 Uhr – der Kreißsaal geschlossen. Sonntag bis Freitag sei die Rund-um-die-Uhr-Versorgung in der geburtshilflichen Abteilung aber “vollumfänglich gewährleistet”, so der Klinikverbund.

Bereits im Juni und Juli diesen Jahres sahen wir uns leider erstmals zu dieser Maßnahme gezwungen”, erläutert der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, Jörg Noetzel die Situation. “Die ursprünglich für August anvisierte Verstärkung im Bereich der Hebammen wird nach jetzigem Stand aber erst im Herbst greifen, so dass das gesamte Geburtshilfliche Angebot in Calw erst ab November wieder uneingeschränkt zur Verfügung steht.” Man bedauere diese neuerliche Versorgungseinschränkung, aber im Hinblick auf die Patientensicherheit könne und wolle man keinerlei Kompromisse eingehen.

Der Klinikverbund verweist in den Kreis Böblingen: Den schwangeren Patientinnen stünden bis dahin an den betreffenden neun Samstagen innerhalb des Klinikverbundes Südwest die geburtshilflichen Abteilungen in den Krankenhäusern Herrenberg und Leonberg sowie in den Kliniken Böblingen als Maximalversorger mit Perinatalzentrum zur Verfügung.

In Notfällen sei aber eine medizinische Erstversorgung schwangerer Patientinnen am Standort Calw auch an den Samstagen weiterhin gewährleistet. Die medizinische und pflegerische Versorgung auf der Wöchnerinnenstation bleibe uneingeschränkt auch am Wochenende bestehen, ebenso wie das gesamte operative und konservative gynäkologische Leistungsangebot der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe unter der Leitung von Chefarzt Arka­diusz Praski.

Alle Schwangeren, die sich bislang schon für eine Entbindung im September und Oktober in Calw angemeldet hatten, werden vom Hebammenteam über die aktuelle Situation sowie über die Geburts– und Betreuungsangebote der umliegenden Kliniken informiert.

Für Schwangere in der Region Calw bietet der Klinikverbund Südwest zudem für Rückfragen rund um die eingeschränkte Kreißsaalpräsenz und die korrespondierenden Geburts– und Betreuungsangebote der umliegenden Kliniken, sowie auf Wunsch eine Weitervermittlung dorthin, ein Kontakttelefon unter 07051/14–41244 an.

 

Schwarzwälder Bote vom 31.8.2017

Geschrieben am 07.09.2017

FDP: Kritik an Plänen kontraproduktiv

Nach einer Fraktionssitzung hat sich die FDP-Kreistagsfraktion klar hinter das Krankenhaus-Konzept “3plus” gestellt. Das Konzept mache die beiden Krankenhäuser zukunftsfähig. Zudem sei der Standort Calw mit dem geplanten Gesundheitscampus “hervorragend aufgestellt”, heißt es in einer Mitteilung der Fraktion.

Alle Versuche von außen, das Krankenhauskonzept zu verwässern oder gar umzudrehen, sind kontraproduktiv und müssen zurückgewiesen werden”, so Fraktionschef Karl Braun aus Haiterbach. Dies gelte auch für die Gestaltung der Baukonzeption am Standort Nagold. Trotz allem sei man über das weiter hohe Defizit – 5,8 Millionen Euro im Jahr 2016 – besorgt. » weiterlesen

Geschrieben am 22.08.2017

Kreis will bei Umsetzung keine Zeit verlieren

Landrat Helmut Riegger und Projektleiter Albrecht Reusch wollen bei der Umsetzung des Klinikkonzepts so schnell wie möglich Nägel mit Köpfen machen. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten informierten beide über Details der Umsetzung – und auch über Details über das Angebot am Standort Calw.

Für Helmut Riegger ist die Lage klar. Mit überdeutlicher Mehrheit hat der Kreistag die Umsetzung des Klinikkonzeptes “3plus” beschlossen. Und jetzt geht es so schnell wie möglich an die Umsetzung. “Wir lassen uns nicht von unserem Weg abbringen”, macht er im Gespräch im Calwer Landratsamt deutlich. Der Weg ist klar: Bis 2020 soll das Krankenhaus in Nagold für 38 Millionen Euro umgebaut werden. In Calw soll für 36 Millionen Euro ein neues Klinikum entstehen. Als Fertigstellungszeitraum hat man auch da das Jahr 2020 im Blick.

Beginnen wird man mit dem Projekt Nagold – “und das so schnell wie möglich”, wie Kreischef Riegger sagt. Allerdings wird die Maßnahme kein Spaziergang, immerhin soll das Krankenhaus im Bestand und unter Vollbetrieb von Grund auf saniert werden. “Das dürften drei härtere Jahre dort am Standort werden”, befürchtet Albrecht Reusch. » weiterlesen