Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 10.11.2017

Marburger Bund reagiert auf Kliniksterben

Das Kliniksterben ruft den Marburger Bund auf den Plan. Die Ärztegewerkschaft fordert klarere Vorgaben für Investitionen in Krankenhäuser.

Berlin. Bund und Länder müssten endlich einen Weg finden, wie der tatsächliche Investitionskosten bedarf der Krankenhäuser verbindlich gedeckt werde, erklärte der Marburger Bund am Donnerstag in Berlin. Erforderlich sei eine gesetzlich verankerte Mindestförderung für den Substanzerhalt und die Investition in bedarfsgerechte Strukturen. Die jährliche Preisfindung auf Landesebene müsse eine volle finanzielle Abdeckung der Tariflohnsteigerungen ermöglichen. Dazu müssten Tarifergebnisse als wirtschaftliche Kosten zur die Abdeckung von Personalkosten anerkannt werden, so die Ärzte-Vertretung.

Schwarzwälder Bote, Politikteil vom 03.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Kliniken beklagen Kürzungen

Studie -  Sozialminister setzt auf weitere Konzentration: bald unter 200 Krankenhäuser?

Immer mehr Patienten im Land werden in immer weniger Kliniken behandelt. Das zeigt die aktuelle Krankenhausstatistik. Und der Strukturwandel geht auch in Zukunft weiter.

Immer weniger Krankenhäuser in Baden-Württemberg versorgen immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistisch Landesamt in seinem Jahresbericht. Demzufolge wurden im vergangenen Jahr 2,17 Millionen Patienten in Kliniken vollstationär behandelt. Das sind 27.000 mehr als im Jahr zuvor (plus 1,2 Prozent). Verantwortlich dafür seien der demografische Wandel und der medizinische Fortschritt, erklärt Annette Baumer, Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG).

Aktuell gibt es demnach 266 Krankenhäuser. Vor zehn Jahren waren es noch 296. Dieser Trend setzt sich fort: Im Kreis Lörrach schließen sich drei Kreiskliniken und ein kirchliches Haus als Klinikgesellschaft in einem geplanten Neubau zusammen. Die bei den Kliniken in Albstadt und Balingen sollen zu einer Zentralklinik im Zollernalbkreis fusionieren.

Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) indes hat prognostiziert, in zehn, 15 Jahren werde die Zahl der Kliniken auf 200 sinken. Der Südwesten habe zu viele kleine Einrichtungen und zu wenig Spezialisierungen.

Zu diesem Schluss kommt auch der aktuelle Krankenhaus Rating Report des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Dort wird der jährliche Investitionsbedarf für die Kliniken im Land auf 650 Millionen Euro beziffert. Für die neuen Baumaßnahmen sind im Etatentwurf 2018/2019 laut Sozialministerium 487,8 Millionen Euro für beide Jahre eingeplant.

>Thema des Tages

 

Von Carola Fuchs, Oberndorf

Schwarzwälder Bote, Titelseite vom 2.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Thema des Tages — Hilfestellung

Ob im Nordschwarzwald, auf der Zollernalb oder an der Grenze zur Schweiz: Die KIiniklandschaft im Südwesten bleibt in Bewegung. Aktuell zu studieren — nur beispielsweise — in Lörrach,  in Albstadt oder in Calw. Dabei ist es richtig, dass die Landesregierung kein Schema F über die Regionen spannt. Vor Ort müssen passgenau Lösungen gefunden werden. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Landkreise stoßen mit dieser Aufgabe an ihre Grenzen. Demografie, medizinischer Fortschritt, Wirtschaftlichkeit und lokale Befindlichkeiten unter einen Hut zu bringen, ist eine Kunst, die niemand kann. Deshalb darf das Land Baden-Württemberg Kreise und Kommunen bei
dieser Mammutaufgabe nicht alleinlassen. Vielmehr sollte das Sozialministerium den Wandel stärker begleiten. Nicht mit Besserwisserei von oben. Aber mit Sachverstand und Hilfestellung.

von Hans-Peter Schreijäg

Schwarzwälder Bote, Titelseite vom 2.11.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Alter Standort nicht zu halten

Krankenhaus-Debatte — NLC-Antrag scheitert/ Eggert: Nur mit Neubau behält Calw eine Klinik

 

Die große Mehrheit der Bürger in Calw will am alten Krankenhaus festhalten. Das wäre auch den meisten Gemeinderäten am liebsten. Doch letztlich wird am Neubau mit verringerter Bettenzahl kein Weg vorbeiführen.

Die Neue Liste Calw (NLC) wollte den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Stammheimer Feld III nutzen, um letztlich am alten Krankenhaus-Standort festzuhalten. Doch mit dem von Hans Necker gestellten Antrag stieß die NLC auf den Wiederstand aller anderen Mitglieder des Bau– und Umweltausschusses des Gemeinderats.

Wenn wir den Neubau verhindern, bekommen wir am Ende nicht das, was wir wollen”, lautet schließlich das Fazit von Oberbürgermeister Ralf Eggert. Und damit meinte der OB das alte Krankenhaus.

Das sieht auch Dieter Kömpf, Fraktionssprecher der Freien Wähler so und verwies in diesem Zusammenhang auf den entsprechenden Beschluss des Kreistags. Mit dem Neubau ist die Notfallversorgung in Calw, etwa bei Schlaganfallen. Herzinfarkten und Unfällen laut OB gesichert. Eggert: “Und ich erwarte, dass dies auch so umgesetzt wird.“

Der Neubau in Calw sei Bestandteil von 3 plus und damit des medizinischen Versorgungskonzepts des Landkreises. Werde dieses Konzept nicht umgesetzt, müsste neu geplant werden.

Verlagerung erst ganz zum Schluss

Er werde, so Eggert, deshalb alles tun, dass 3 plus ein Erfolg wird. Darin sei auch vereinbart, dass mit der Verlagerung von Abteilungen, nach derzeitigem Stand der Orthopädie, erst begonnen werden kann, wenn alle baulichen Maßnahmen in Calw und Nagold abgeschlossen sind.

Am alten Standort ist bei den heutigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen nach Eggerts Auffassung das Krankenhaus nicht mehr überlehensfähig. Das liege schon an den baulichen Gegebenheiten.

Ein effizientes Arbeiten ist in dem immer wieder erweiterten, mehrstöckigen und unübersichtlichen Gebäude nicht möglich. Der Kostendruck im Krankenhaus steige ständig. Bei Neubauten würden heute die Flure so angelegt, dass eine Pflegekraft bis zu 48 Patienten versorgen kann. In Bestandsflächen lasse sich so etwas kaum umsetzen.

Harald Mast (CDU) appellierte an seine Ratskollegen, möglichst mit einer Stimme zu sprechen und eine erneute Debatte um den Standort zu vermeiden.

Mannsfeld fehlt es an Transparenz

Das falle schwer, meinte lrmhild Mannsfeld, „wenn uns die Vollversorgung genommen wird“. Ihr fehlt es an Transparenz bei den Zahlen. Mannsfeld macht es stutzig, wenn nun wieder von Defiziten die Rede sei.

 

Von Alfred Verstl

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 21.10.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Ein Tag lang dreht sich alles um Geburt und Schwangerschaft

Gesundheit - Calwer Klinik lädt werdende Eltern ein

Vorträge, Workshops, Kinderprogramm — am bunten Familientag der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe dreht sich alles rund um Schwangerschaft, Geburt und Gynäkologie.

Junge Eltern wollen alles richtig machen. Dazu braucht es aber viel Hintergrundwissen für die neue, anstehende Lebensphase. Beim kostenfreien Familientag der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe dreht sich daher am Samstag, 7. Oktober, von 11 bis 16 Uhr alles rund um die Themen Frauengesundheit, Schwangerschaft, Geburt und Familienleben. Das von der WHO als babyfreundlich zertifizierte Krankenhaus bietet werdenden Eltern seit jeher eine individuelle und familienorientierte Geburtshilfe. Das Team der Klinik richtet die Veranstaltung zum dritten Mal aus und gibt Frauen, Eltern und werdenden Eltern die Möglichkeit, Informationen aus erster Hand gerade zu den Themen zu sammeln, die wesentlich sind während der Schwangerschaft und im Alltag mit Babys und Kleinkindern.

Praxisnahe Workshops

Auftakt ist um 11 Uhr mit Begrüßung durch Chefarzt Arkadiusz Praski und seinem anschließenden Vortrag über die neuesten, modernen Operationstechniken in der Gynäkologie. In weiteren Vorträgen sowie praxisnahen Workshops — für Eltern, aber auch Großeltern — und an Infoständen haben Besucher dann die Möglichkeit, sich Wissen anzueignen, unter anderem über Osteopathie für Kinder, die heilsame Wirkung von Tees, zu rechtlichen und finanziellen Hintergründen rund ° ums Kinderkriegen (zum Beispiel Elterngeld), zur Kindersicherheit im Auto oder zu Tragehilfen und Tragetüchern.

Zudem gibt es Kinderbekleidung, Töpferarbeiten, einen Büchertisch, alkoholfreie Cocktails sowie Produkt und Infoständestände der Sanitätshäuser, des ADAC, von Pro Familia und der »Frühen Hilfen«. Sie alle präsentieren im Rahmen des Familientages ihr Sortiment für Familien rund um Schwangerschaft und Frauengesundheit. Ebenso steht eine Fotografin bereit um Schwangere und auf Wunsch ihre Partner oder gleich die ganze Familie in geschützter Atmosphäre perfekt in Szene zu setzen für eine bleibende Erinnerung an den Babybauch.

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 5.10.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Es ist ordentlich Druck auf dem Kessel

Planungsvereinbarung - Bis zum jahr 2020 soll der Calwer Gesundheitscampus fertiggestellt sein / Für Landrat ein Meilenstein

Abergläubisch sind diese Herren wohl nicht: Ausgerechnet am Freitag, den 13ten, unterschrieben jetzt die verschiedenen beteiligten Partner die offizielle Vereinbarung zur weiteren planerischen und baulichen Realisierung des Gesundheitscampus Calw.

Ein echter »weiterer Meilenstein«, wie es Calws Landrat Helmut Riegger nannte, um das künftige Ensemble aus neuem Kreiskrankenhaus, Zentrum für Psychiatrie, Nephrologischem Zentrum (Zentrum für Nierenerkrankungen; unter anderem für Dialyse) und »Haus der Gesundheit« im Gewerbegebiet Stammheimer Feld III nun weiter zügig voranzubringen. Es sei »ordentlich Druck auf dem Kessel«, so. Riegger weiter, den Calwer Gesundheitscampus bis zum Jahr 2020 auch tatsächlich eröffnen zu können. »Dieser Termin steht.«

Wobei der weitere Zeitplan wirklich sehr ehrgeizig ist: Im Vorgriff auf die jetzige Vereinbarung seien bereits in der vergangenen Woche die Ausschreibungsunterlagen für den geplanten Architektur Wettbewerb für das gesamte Campus-Areal »an die 14 großen, hierfür ausgezeichneten Architekturbüros« im Land verschickt worden, wie der zuständige Projektleiter beim Landratsamt, Albrecht Reusch, erläuterte. Denn auch wenn alle Projektpartner ihre jeweiligen Gebäude separat errichten — und auch finanzieren — würden, soll doch nachher baulich alles »aus einem Guss« sein.

Bis Ende Januar nächsten Jahres hoffe man, im von den Projektpartnern paritätisch besetzten Preisgericht des Architektur-Wettbewerbs erste Ergebnisse zur städtebaulichen Planung des Gesundheitscampus zum Entscheid vorgelegt zu bekommen. Am 28. März 2018 wolle man dann bereits auch die so genannte »Feinkonzeption der Vorplanung« absegnen können, damit direkt anschließend noch im April 2018 die Stadt Calw das Verfahren für die mutmaßlich notwendigen Bebauungsplanänderungen auf den Weg bringen könne.

»Wir rechnen mit einer Dauer dieser Verfahren dann bis zum Jahresende 2018«, so Projektleiter Reusch weiter. Baubeginn könnte so unter Umständen schon Anfang 2019 sein, Fertigstellung und Inbetriebnahme des  Gesundheitscampus schließlich im Laufe des Jahres 2020 – wobei noch offen sei, ob alles zusammen fertig werde, oder man »nach und nach« die verschiedenen Funktionsbereiche ihrer Bestimmung übergeben könnte. »Wir sind da offen«, so Landrat Riegger. »Ja schneller auch einzelne Teile zur Nutzung zur Verfügung stehen, desto besser.«

Kosten wird der künftig 6,5 Hektar große Calwer Gesundheitscampus laut aktuellem Plan 36 Millionen Euro für das neue Kreiskrankenhaus sowie insgesamt rund 20 Millionen Euro für die angegliederten »Satelliten« — inklusive jeweils der geplanten medizintechnischen Einrichtungen, wie Projektleiter Reusch unterstreicht. Noch nicht in der Küstenrechnung enthalten sei bisher der Aufwand für die Erstellung der notwendigen Außenanlagen, wie zum Beispiel für Parkplätze. Im Augenblick, so Reusch, gehe man hier von einem Bedarf von mindestens 400 Stellplätzen rund um den Gesundheitscampus aus — allein für den Patientenbetrieb.

Denkbar sei ein eigenes Parkhaus als weiteres Bauwerk dem Campus anzugliedern. Inwieweit hier aufgrund des erwarteten zusätzlichen Verkehrsaufkommens gegebenenfalls auch Anpassungen bei der übergeordneten Verkehrslenkung zum und vom Stammheimer Feld notwendig sein könnten, sei Gegenstand von laufenden Gesprächen mit der Stadt Calw.

Von Axel H. Kunert

Schwarzwälder Bote, Nordschwarzwald vom 14.10.2017

 

 

Info Gesundheitscampus

Der geplante Calwer Gesundheitscampus wird nach aktuellen Planungen aus insgesamt vier miteinander verbundenen, aber separat stehenden Gebäuden bestehen: Das neue Kreiskrankenhaus mit 153 Betten (8370 Quadratmeter Nutzfläche) in Trägerschaft des Landkreises; daneben wird das Zentrum für Psychiatrie in Calw-Hirsau seine Klinik für Psychosomatik sowie eine Tagesklinik für Kinder– und Jugendpsychiatrie auf den Campus verlegen (2545 Quadratmeter). Außerdem wird das Nephrologische Zentrum Pforzheim seine Calwer Außenstelle hierher verlegen — und dabei auf dann unter anderem 25 Dialyseplätze ausbauen (660 Quadratmeter). Und schließlich will die Sparkasse Pforzheim Calw, beziehungsweise deren S-Immobilienvermögen GmbH & Co. KG, als Bauträger ein »Haus der Gesundheit« (circa 3000 Quadratmeter) errichten, in dem neben verschiedenen Praxen eine Kardiologie, ein Pflegestützpunkt, eine Kurzeitpflege sowie das »PORT-Gesundheitszentrum« als auch das »AOKGesundheitszentrum« als Mieter einziehen sollen.

Geschrieben am 23.10.2017

Toller Ort für den Start ins Leben

Familientag — Rund 500 Geburten im Jahr / Probleme mit zeitweiser Schließung des Kreißsaals

Familientag in der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Einen ganzen Tag lang herrscht eine ganz andere Art von »Aufregung« — nachdem die Klinik vor allem wegen Einschränkungen im Kreißsaalbetrieb in den Schlagzeilen war.

Heute stehen ganz die jungen Familien im Mittelpunkt. Die Nachwuchs planen, wo er sich vielleicht schon ankündigt, die auf der Suche sind nach einem passenden Ort, wo die eigenen Kinder das Licht der Welt erblicken sollen. Was man als Besucher auf der Calwer Babystation sofort merkt: Hier herrscht ein herzlicher, ein fröhlicher, ein familiärer Umgangston. Ein toller Ort für den Start ins Leben.

Die Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe gilt mit derzeit rund 500 Geburten im Jahr als kleine Geburtsklinik. Das genau aber sei auch ihre Stärke, unterstreicht Ingrid Geiss, die Stationsleiterin, beim Rundgang durch die Abteilung. Seit 40 Jahren arbeite sie bereits als Krankenschwester — viel, sehr viel Erfahrung. Ein halbes Dutzend Babys seien im Augenblick hier, nur ein Zimmer sei frei — für den heutigen Tag wurde es zum Spielzimmer für Geschwister-Kinder umfunktioniert. Hier können sie sich knallbunt schminken lassen Oder sich austoben.

Vor dem Spielzimmer knoten Julia Sukatsch, die leitende Hebamme, und ihre Kolleginnen farbige Luftballons zu lustigen Tieren. Die eindrucksvolle Fingerfertigkeit komme vielleicht vom routinierten Nabelschnur-Abbinden, feixen sie: Die Hebammen hier in der Calwer Geburtsstation haben aber auch wieder allen Grund zum Lachen: Nachdem zwei neue Hebammen sich kurzfristig hierher beworben hatten, konnte der jüngste personelle Engpass, der zur  mehrwöchigen, samstäglichen Schließung des Calwer Kreißsaals geführt hatte, vorzeitig überwunden werden.

Samstag offenbar ein Mysterium

Auch Alexandra Freimuth, Regionaldirektorin Süd des Kreisklinikums Calw-Nagold, hat entsprechend gute Laune, als sie zum Familientag der Calwer Geburtsstation stößt. Sie bestätigt, dass es wegen der Kreißsaal-Schließung in den vergangenen Wochen zu keinerlei kritischen Situationen gekommen sei. Tatsächlich sei es so, dass es wirklich ausgerechnet an Samstagen stets weniger Geburten in Calw gebe als an anderen Wochentagen — das habe ein Blick in die Statistik ergeben, als man den idealen Tag für die unumgängliche Kreißsaal-Schließung gesucht habe. Warum aber ausgerechnet an Samstagen weniger Babys auf die Welt wollen? »Ein Mysterium, ein großes Geheimnis.« Vielleicht sei es die Sportschau oder die tolle Möglichkeit, an diesem Tag shoppen zu gehen, frotzeln die Damen von der Geburtsstation.

Beim Chefarzt der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Arkadiusz Praski, geht es etwas ernsthafter zu. Er bietet einen Vortrag über die neuesten, modernen Operationstechniken in der Gynäkologie an — mit anschließender praktischer Vorführung am LaparoskopieTrainer, wo jeder auch selbst einmal das minimal-invasiven Operationsbesteck ausprobieren darf. Praskis Vortrag allerdings ist erstmal nichts für zarte Seelen. Der Mann ist absoluter Profi — und daher hält er sich nicht lange mit theoretischem Geplänkel auf. Er zeigt in Bild und Video »am lebenden Objekt«, wie so eine Endoskopie im Detail aussieht. Wer das nicht gewohnt ist, muss erstmal ob der Bilder schlucken.

Aber: Mehr Informationen, Aufklärung und Transparenz zu diesen medizinischen Themen geht einfach nicht. Das findet wohl auch Praskis Publikum, das überwiegend aus Frauen bestehet — denn die geht das hier ja vor allem etwas an. Sie schenken jede Sekunde ihre volle Aufmerksamkeit dem Gehörten und Gezeigten.

Okay, zum angebotenen Mittagstisch unten im Calwer Krankenhauscafe sollte man nach Praskis Ausführungen eher nicht gleich gehen. Aber es gibt ja auch noch den »Marktplatz der Möglichkeiten« zum Familientag, mit allerlei Infoständen — etwa vom ADAC, der über perfekte Autokindersitze informiert; oder dem Calwer Sanitätshaus Reutter, das Produkte rund um Schwangerschaft und Frauengesundheit mitgebracht hat. »Pro Familia« und die »Frühen Hilfen« des Calwer Landratsamtes sind mit Beratungsangeboten vertreten, wobei es bei letzterem noch mal sehr ernst wird.

Schütteln kann ganz schlimme Folgen haben

Nicole Bühler ist die Netzwerk-Koordinatorin der »Frühen Hilfen«. Und sie hat eine etwas gruselige Baby-Puppe mitgebracht. eine mit einer gläsernen Schädeldecke und freiliegendem Plastik-Gehirn. Ihr Thema: jungen Eltern beizubringen, ihr Neugeborenes wirklich niemals zu schütteln — etwa, weil es nicht aufhören will zu schreien. Ist das denn ein Problem? »Das kommt leider sehr viel häufiger vor als man denkt«, so Bühler. Und sie demonstriert an der Puppe, was dabei passiert: Durch das Schütteln wird das Baby zwar tatsächlich ruhig, aber nur, weil sensible Kapillargefäße im Nacken, die dessen Atmung steuern, durch das Schütteln verletzt werden. Die Atmung setzt aus, was zur Sauerstoffunterversorgung des Gehirns führt. Schwere Hirnschäden oder gar der Tod sind die Folge.

Man muss schon wieder schlucken. Aber beim zweiten Nachdenken kann man sich auch darüber freuen, dass hier in der Calwer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auch an diese Themen präventiv gedacht wird. Und es hier solche Informationsangebote gibt.

Von Axel H. Kunert

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 9.10.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Stefan Winterer freut sich auf seine nächste Operation

Gesundheit — Patienten schildern Erfahrungen mit Gelenkersatz / Arthrose schränkt Lebensqualität ein

Kann man sich auf eine Operation regelrecht freuen? Offensichtlich, zumindest, wenn man Stefan Winterer  zuhört. Der 62-jährige Physiotherapeut aus Tübingen steht vor seiner zweiten Knie-OP an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw. Und freut sich drauf.

Denn der erste Eingriff an seinem anderen Knie ist optimal verlaufen. Wer an Arthrose erkrankt, leidet oft an zunehmenden Schmerzen, die den Aktionsradius immer weiter einengen. Lebensqualität geht verloren. Und vielen Patienten hilft am Ende nur die Operation und das Einsetzen einer Endoprothese.

Die degenerative Gelenkerkrankung ist zur Volkserkrankung geworden. In Deutschland werden jährlich 400 000 Hüft– und 400 000 Kniegelenke eingesetzt, berichtet der Calwer Chefarzt Martin Handel bei einer Informationsveranstaltung in Zusammenarbeit mit der Rheumaliga im Kurhaus in Bad Liebenzell.

Schmerzen so gering wie möglich halten

Der Orthopäde stellte zusammen mit Jens Döffert, Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin, die Methoden vor, mit denen in Calw an Arthrose erkrankten Patienten geholfen wird. Schonend gehen die Ärzte dabei mit den Kranken um. Was allerdings nicht heißt, dass solche Eingriffe schmerzfrei verlaufen. Allerdings sorgt Döffert, der die Regionalanästhesie gegenüber der Vollnarkose vorzieht, dafür, dass der Patient den Eingriff möglichst schmerzarm übersteht. Dazu trägt vor allem das Einsetzen eines Schmerzkatheters bei. Bei den Kniegelenken arbeitet Handel seit 2012 mit individuell angepassten Prothesen. Sie werden dem Knochen angepasst, stehen nirgendwo über und irritieren somit nicht Sehnen und Bänder.

Ramona Federschmid freut sich über ihre wiedergewonnene Lebensqualität. Jahrelang plagten die heute 56-jährige rheumatische Beschwerden im Sprunggelenk. Am Ende konnte sie nicht mal mehr die Bettdecke auf ihrem Fuß ertragen. 2011 wurde ihr eine Prothese eingesetzt, in diesem Jahr folgte eine Sprunggelenkversteifung.

Wieder barfuß über eine Wiese gehen

Ramona Federschmid genießt es, wieder barfuß über eine Wiese zu gehen, kann wieder längere Spaziergänge machen Rad fahren und Schwimmen. Herbert Noe, der sich 2013 in Calw einer Hüftoperation unterzog, hangelt sich im Hochgebirge wieder Klettersteigen entlang und ist im Winter auf Skipisten unterwegs.

 

Von Alfred Verstl

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 6.10.2017

Geschrieben am 23.10.2017

Patienten sprechen über Gelenkersatz

Podiumsdiskussion - Betroffene berichten von ihrem Leben vor und nach Operation

Am Mittwoch, 4. Oktober, berichten Patienten mit künstlichem Hüft-, Knie– und Sprunggelenk über ihre Erfahrungen. Der kostenlose, mit der Rheuma Liga Calw organisierte Infoabend findet im Kurhaus in Bad Liebenzell statt.

Es ist eine Frage der Schmerzen: Durch Abnutzung, falsche Belastung oder eine Verletzung verschleißt der Knorpel, bis Knochen auf Knochen reibt. Diese degenerative Gelenkerkrankung wird Arthrose genannt und zunächst konservativ mit Krankengymnastik oder Medikamenten behandelt.

Wenn diese keine Erfolge mehr zeigt, nehmen die Schmerzen zu, die Gelenke tun dann sogar im Ruhezustand weh. Der Betroffene bewegt sich immer weniger und leidet unter einem immer kleineren Aktionsradius. Wann das Maß voll ist und die Schmerzen unerträglich werden, entscheidet der Patient. Rund 400000 Endoprothesen, also künstliche Gelenke, werden deutschlandweit jährlich eingesetzt.

Welche Konsequenzen?

Doch die Entscheidung fallt vielen nicht leicht: Was bedeutet die Operation tatsächlich, mit welchen Konsequenzen ist zu rechnen, wie lange braucht der Körper, um sich wieder ganz zu erholen und was würden Patienten, die bereits einen künstlichen Gelenkersatz haben, heute anders entscheiden als vorher?

Um Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich ein Urteil aufgrund von Erfahrungen und Berichten aus erster Hand zu bilden, hat Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an den Kliniken Calw, drei Patienten gebeten, anderen Leidensgefährten Rede und Antwort zu stehen. Am Mittwoch, 4. Oktober, von 18 bis 21 Uhr findet eine Podiumsdiskussion zum Thema »Künstlicher Gelenkersatz« statt, flankiert von zwei kurzen Vorträgen, die aus medizinischer Sicht die Thematik beleuchten sollen: Jens Döffert, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin in Calw spricht über »Narkose und Rheuma – Auswirkungen und Alternativverfahren zur Vollnarkose«, während Handel das Thema »schonende Operationstechniken bei künstlichen Hüft– und Kniegelenken« aufgreift.

Der Schwerpunkt des Abends liegt jedoch in der Podiumsdiskussion. Drei betroffene Patienten werden vorgestellt und berichten über den Verlauf ihrer Behandlung, den Genesungsprozess sowie über ihr Leben vor und nach Implantation einer Endoprothese.

Im Anschluss an die Vorstellung werden Fragen der Zuhörer beantwortet. Auch individuelle Fragen der Zuhörer werden beantwortet.

Der kostenfreie Patienteninfoabend findet im Kurhaus Bad Liebenzell, Kurhausdamm 6, statt.

 

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 28.9.2017

 

Geschrieben am 23.10.2017

Kreißsaal bald wieder die ganze Woche offen

Kliniken — Einschränkungen in Calw gehören ab 1. Oktober der Vergangenheit an / Klinikverbund richtet Hebammen-Springerpool ein

Vier Wochen früher als ursprünglich geplant sind die samstäglichen Einschränkungen im Kreißsaalbetrieb des Calwer Krankenhauses passe. Ab dem 1. Oktober steht das gesamte geburtshilfliche Angebot wieder uneingeschränkt an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr zur Verfügung.

Dies meldete der Klinikverbund Südwest gestern Nachmittag. »Dank des großen Engagements aller Beteiligten in den vergangenen Wochen und Monaten ist es uns gelungen zwei neue Hebammen für den Standort Calw gewinnen zu können und somit die Personalsituation wieder zu normalisieren«. Berichtet der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, Jörg Noetzel.

Er stellte zudem nochmals klar, dass keinem — weder dem ärztlichen Personal noch den Hebammen oder der Verwaltung — die gemeinsam getroffene Entscheidung zu den Samtagsschließungen in der Vergangenheit leicht gefallen sei. »Eine Reduktion des Leistungsangebotes in einer Geburtshilfe ist immer die Ultima Ratio und verständlicherweise sehr emotional besetzt. Letztendlich aber steht immer die Sicherheit von Mutter und Kind im Mittelpunkt, parallel ist es sehr wichtig, das Wohl der Mitarbeiter im Auge zu behalten.« In allen Kreißsälen des Klinikverbunds Südwest werde mit enormem Einsatz gearbeitet. Aufgrund der hohen Belastung und mehrerer nicht mehr abzudeckender Schichten, so Noetzel, habe man deshalb in enger Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen des Kreißsaales in Calw vorübergehend das Leistungsangebot reduzieren müssen — und zwar an einem Tag, an dem erfahrungsgemäß weniger Geburten zu erwarten seien.

Um erneuten kurzfristigen personellen Engpässen noch besser begegnen zu können, arbeitet der Klinikverbund Südwest bereits seit mehreren Monaten an der Etablierung eines verbundweiten Springerpoolkonzeptes. »Bereits jetzt konnten wir dank der Verbundstruktur den personellen Engpass in Calw zumindest teilweise abfedern. Ohne die bereitwillige Unterstützung der Hebammen aus dem Landkreis Böblingen, in diesem Falle aus Herrenberg, wäre sicher mehr als nur eine Wochenendeinschränkung zu befürchten gewesen und die Rückkehr zum 24/7-Betrieb schon im Oktober auch nicht möglich gewesen«, unterstreicht Noetzel die gute standort– und landkreisübergreifende Zusammenarbeit. »Letztendlich kämpfen aber auch unsere größeren geburtshilflichen Standorte wie Böblingen oder Herrenberg Tag für Tag mit dem bundesweiten Hebammenmangel.«

Aktuell bleiben Hebammen bundesweit im Schnitt lediglich rund vier bis fünf Jahre in ihrem angestammten Beruf, und rund jede fünfte Klinik in Deutschland hat massive Probleme, alle Hebammenstellen zu besetzen, darunter selbst Maximalversorger in den großen Ballungszentren, wie es in der Pressemitteilung des Klinikverbunds heißt. Allein in der Region seien in den vergangenen zwölf Monaten neben Calw unter anderem die Kreißsäle in Mühlacker, Freudenstadt, Bruchsal und Bühl (Baden-Baden) zeit– oder blockweise geschlossen gewesen.

Neuer dreijähriger Ausbildungsgang zur Hebamme

Perspektivisches Planziel ist es laut Noetzel beim Klinikverbund, mit drei weiteren, zusätzlichen Hebammenstellen einen flexiblen Springerpool zu etablieren, um Schwangerschaften, Kündigungen oder längerfristige Erkrankungen künftig noch besser kompensieren zu können. Dafür rechnet der Verbund mit zusätzlichen Kosten für seine Träger, die Kreise Calw und Böblingen, von bis zu 200000 Euro jährlich. »Hier ist weder eine Refinanzierung durch die Krankenkassen möglich, noch eine monetäre Unterstützung seitens des Landes in Sicht«, so Noetzel, der aber zu bedenken gibt: “Die Bereitschaft, Stellen zu schaffen ist das eine, die dafür zusätzlich benötigten Hebammen auf dem leergefegten Arbeitsmarkt zu bekommen, nochmal eine ganz andere.«

Um den künftigen Bedarf an Hebammen weiter decken zu können, bietet der Klinikverbund Südwest daher parallel zur intensiven, bundesweiten Personalakquise zusammen mit seiner verbundeigenen Schule für Gesundheitsberufe in Böblingen seit April dieses Jahres erstmalig einen eigenen dreijährigen Ausbildungsgang zur Hebamme respektive zum Entbindungspfleger an. In Kooperation mit der Universitätsklinik Ulm, an deren Akademie die theoretische Ausbildung angeboten wird, werden somit bis 2019 parallel 12 Auszubildende für den Hebammenberuf im Klinikverbund tätig sein, ab 2020 sollen dann Jahr für Jahr vier Hebammen ihre Ausbildung abgeschlossen haben. »Für diesen Ausbildungsgang erhalten unsere Auszubildenden zusätzlich zur Ausbildungsvergütung einen Fahrt– oder Mietkostenzuschuss, da die Hebammenschulen in der Region leider aufgrund des drängenden Eigenbedarfs der jeweiligen Kliniken nicht bereit waren, uns Ausbildungsplätze abzutreten «, erläutert Noetzel die Hintergründe des neuen Ausbildungskonzeptes. »In der Folge prüfen wir aktuell die Möglichkeit, eine eigene Hebammenschule zu eröffnen und damit die Anzahl der Auszubildenden noch weiter steigern zu können.«

Trotz aller Bemühungen bleibe der Mangel an Hebammen aber bundesweit und damit auch für den Klinikverbund ein Thema. Deshalb will man beim Klinikverbund auch kein Versprechen abgeben:

Eine garantierte Sicherheit, dass der Fachkräftemangel in unseren Kliniken nicht eintritt, können wir — bei allem Verständnis für politische und gesellschaftliche Forderungen — nicht geben. Das wäre nicht seriös«, stellt Noetzelklar. »Aber klar ist, dass schon seit Längerem alles unternommen wird, um einerseits auftretende Lücken zu schließen und andererseits perspektivisch in Zukunftslösungen zu investieren«, sagt Noetzel.

 

Schwarzwälder Bote, Nordschwarzwald, vom 28.9.2017